Zur Europawahl hatte die Linke an der Hindenburgstraße gegenüber dem Bahnhof in Bocholt eine Großplakatwand aufgestellt. Lothar Bisky, Parteivorsitzender und damaliger Spitzenkandidat zur Europawahl, warb dort mit seinem Konterfei für die europäische Linke. Doch das Plakat wurde eine Woche vor der Europawahl stark beschädigt.
Nachdem die Bocholter Linke am 1. Juni Anzeige gegen Unbekannt erstattet hatte, wurde ihr in diesen Tagen von der Staatsanwaltschaft Münster mitgeteilt, dass zwar zwei namentliche Täter dafür in Frage kämen, jedoch unklar sei, wer von den beiden das Wahlplakat von der Plakatwand abriss. Beide Namen liegen der Bocholter Linken vor. Einer der beiden befand sich auch unter den Teilnehmern der Neonazis, die am 5. September in Dortmund einen Aufmarsch durchführten. Noch im Januar stand er mit drei weiteren Neonazis in Bocholt vor Gericht.
Auch in der letzten Woche wurden wieder mehrere Plakate der Linken an den städtischen Plakatwänden zerstört. Vermutlich haben der oder die Täter es gezielt auf die Linke-Bundestagskandidatin und bisheriges Mitglied der Bundestagsfraktion DIE LINKE Sevim Dagdelen abgesehen, die auf ihren Plakaten auf türkisch mit dem Slogen "Gutes Leben! Für alle!" (iy br gelecek icin!) wirbt. Rainer Sauer, Pressesprecher der Bocholter Linken, geht dabei von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, der seiner Vermutung nach ebenso von Neonazis verübt wurde.