Wenn es nach dem Willen des Bocholter Bauvereins e. G. geht, soll eine allein erziehende Mutter mit ihrer neun jährigen atemwegerkrankten Tochter am Montag vom Amtsgericht Bocholt gezwungen werden, ihre Wohnung an der Hitzestraße zu räumen. Das hat Linke-Landtagskandidat und Pressesprecher Rainer Sauer auf den Plan gerufen, nachdem sich die Frau mit dem Problem am Samstag beim Infostand an die Linke gewand hat.
Der Hintergrund: Die Frau wohnt seit 2003 in einem Mehrfamilienhaus an der Hitzestraße. Vermieter ist der Bocholter Bauverein. Die Frau musste ständig die Heizung entlüften und diese voll aufdrehen, um einigermaßen warme Räume zu haben. Dadurch stiegen ihre Heizkosten und sie musste mehr als zweihundert Euro nachzahlen. Auf Drängen der Frau beauftragte der Bocholter Bauverein eine Firma, die zur Vermeidung hohen Heizkostenverbrauchs automatische Entlüftungsventile an den Heizkörpern einbaute. Später stellte sich heraus, dass die Heizungsanlage ebenso defekt ist. Das Schlafzimmer und der Wohnflur waren zudem mit Schimmel befallen. Während der Schimmel in ihrer Wohnung auf Drängen beseitigt wurde, sind Teile des Dachbodens über ihrer Wohnung noch immer mit Schimmel befallen und feucht – und das seit mindestens zwei Jahren. An der Decke im Schlafraum befindet sich aber immer noch ein etwa ein Meter langer großer Riss. Auch der Fußboden auf dem Dachboden weist überall Risse auf. Der Hausflur hingegen weist Wasserschäden auf. Ein Gutachter hat 2008 den Defekt der Heizungsanlage bestätigt. Ebenso eine viel zu kleine Heizung im Badezimmer, die aber zwischenzeitlich durch eine größere Heizung ausgetauscht wurde. Aber damit nicht genug: Zudem wird die Frau nachts durch laute Klopfgeräusche durch Heizungsrohre in der Schlafzimmerwand um ihren Schlaf gebracht. In den Wintermonaten mindert die Frau daher ihre Mietzahlung um dreißig Prozent. Statt das Problem anzugehen, erhielt die Frau vom Bocholter Bauverein schließlich die fristlose Kündigung. Nachdem sie einem Auszug aus der Wohnung nicht nachkam, hat der Bocholter Bauverein beim Amtsgericht Bocholt eine Zahlungs- und Räumungsklage erhoben. Bürgermeister Peter Nebelo (SPD), der dem Aufsichtsrat des Bocholter Bauvereins angehört, wollte sich offenbar dem Problem der Frau nicht annehmen. Er verwies dabei „auf das schwebende Verfahren“.
Rainer Sauer: „Das ist ein Skandal. Die fatalen Zustände in dem Mehrfamilienhaus sind gesundheitsgefährdend und menschenverachtend. Der Bocholter Bauverein und alle Verantwortlichen sind aufgefordert, diese Zustände sofort zu beheben und der Frau und ihrem Kind jegliche Unterstützung zu gewähren.“ Die Bocholter Linke will Nebelo noch am Wochenende mit dem Fall kontaktieren.
Wie die Bocholter Linke weiter mitteilt, werden bei der öffentlichen Gerichtsverhandlung am Montag (19. April) um 11 Uhr Mitglieder und Unterstützer der Bocholter Linken sowie die Stadtverbandssprecherin Anita Lohberg und Linke-Ratsfrau Bärbel Sauer als Beobachter im Zuschauersaal teilnehmen.